Die 30. Jahrestagung der Christian-Knorr-von-Rosenroth-Gesellschaft, ursprünglich geplant für den 3. und 4. Juli 2020, muss wegen der Reisebeschränkungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie verlegt werden auf das Folgejahr. Der vorgesehene Termin ist 2./3. Juli 2021

Christian Knorr von Rosenroths syrisches Neues Testament (1684)

Obwohl es heute als gesichert gilt, dass das syrische Neue Testament im zweiten Jahrhundert n.Chr. durch die Übersetzung aus dem Griechischen ins Syrische entstanden ist, wurde im Europa der frühen Neuzeit angenommen, es handele sich um den Urtext, der in der Sprache Jesu Christi verfasst worden sei. Aus dieser fama erklärt sich das große Interesse, das dieser Text damals unter Gelehrten erregte und damit den Aufschwung semitistischer Studien unter den europäischen Gelehrten befeuerte. Die beachtenswerte Zahl von Editionen des Textes, sowohl einzeln als auch in Form von Polyglotten, seit der Mitte des 16. Jahrhunderts legt beredtes Zeugnis dafür ab. Die Ausgabe Christian Knorr von Rosenroths aus dem Jahre 1684 vereint eine hundertjährige philologische Beschäftigung mit dem für Sulzbach charakteristischen geistigen Klima des Fürstenhofs. Bis heute ist das Interesse am syrischen Text des Neuen Testaments ungebrochen. Die kommende Tagung der Christian-Knorr-von-Rosenroth-Gesellschaft wird es erstmals erlauben, Forschungen über das syrische Neue Testament und Kabbala in den gemeinsamen kulturgeschichtlichen Kontext zu stellen und zu würdigen. Eine solche Kontextualisierung geriet erst jüngst im Rahmen der Veröffentlichung eines spektakulären Fundes in den Fokus der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit: Anna Maria Vileno und Robert Wilkinson entdeckten Knorr von Rosenroths verloren geglaubtes Manuskript zu Messias Puer in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. Mit Knorr von Rosenroths kabbalistischer Interpretation des Neuen Testaments auf der Basis der syrischen Sprache eröffnen sich nun neue Perspektiven für religionsgeschichtliche Fragestellungen und die Rekonstruktion der Entwicklung philologischer und biblischer Wissenschaftstraditionen.

12 Referenten, u.a. aus Israel u. Italien, haben Beiträge zugesagt. Die Vorträge der Tagung sind teils in deutscher und teils in englischer Sprache.

Tagungsleitung:

Prof. em. Dr. Rosmarie Zeller, Universität Basel (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)
apl. Prof. Dr. Gerold Necker, Universität Halle-Wittenberg (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)
Maximilian de Molière, M.A., Universität Halle-Wittenberg (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)